Mit eher skeptischen Erwartungen trat ich meine Reise als Lachsfischer- Neuling, zum Fluss KUCHTUI in Ostsibirien (Festland gegenüber der Halbinsel Kamtschatka) an.
Da einige unserer 12 köpfigen Truppe schon zu zweiten mal den weiten , beschwerlichen Weg antraten, lies es mich hoffen, dass dieselbigen nur durchschnittlich wahnsinnige Fliegenfischer sind, und dementsprechend der Aufwand einigermaßen in Relation zum Ergebnis stehen würde.
Die Anreise: Noch etwas heftiger als erwartet, unendlich lange Flüge, drei von zwei Flügen mit einem Tag Verspätung. Bei den kürzeren Flügen durchaus rustikale Fluggeräte mit Eigenleistung beim Transport und verladen des Gepäckes.
Die Ankunft/ Lodge: Blick auf naturbelassenes Flussdelta, mäandernd zwischen zivilisationslosen Gegenden, das Wasser
(entgegen Reisebericht 2000) perfekt.
Die Fischerei: Unglaublich, 10 km vom Meer, fischen auf silberblanke Silber- und Ketalachse mit giga Power. Silberlachse mit akrobatischen Sprüngen und mehrfachen Fluchten bis ins Backing,
Ketalachse, weit weniger einfach von der Fliege zu überzeugen, die aber dann Schnur nehmen als ob man eine Motorbootschraube gehakt hat und trotz weniger spektakulärer Sprünge, kampfstärker und zäher, den Drill eines gefüllten Kühlschrankes ( mit Flossen ) am Vorfach bietend.
Mindestens 10 Lachse zwischen 4-6 Kilogramm pro Tag und Fischer mit Längen von 65 bis 85 cm.
Das Wasser: Perfekt, Fliegenfischen ohne Krämpfe. Mit Multitipp problemloses Ansprechen der Fische , ja sogar Fischerei auf Sicht.
Für Freunde des stillen Wassers gab es genügend Pools, wo auch die aufstiegsärmeren Zeiten problemlos überbrückt werden konnten. Die Standortwahl lässt eine gezielte Fischerei auf Silber oder Ketalachs zu, was für Abwechslung am Wasser sorgt.
In strömungsreichen Zonen kommt sogar am zehnten Tag der Fischerei keine Langeweile auf, da sich der Schwierigkeitsgrad und die Chancen proportional erhöhten. Eigentlich waren für mich die aufstiegsärmeren Tage, wo nur wenige große Fische einstiegen die schönsten Stunden am Wasser.
Die Higlights: Pazifischer Lachs mit der Trockenfliege: Trotz der Beteuerungen unseres "Gurus René", dass seine Technomaus Pazifische-Lachse fangen würde, dürften auch die treusten Jünger dieses mal Zweifel an seiner Aussage gehabt haben. Natürlich ganz zu schweigen von den Spezialisten und Profis der Szene.
Nichts desto trotz, das Teil hat gehauen ! ! ! Mit Multi Terror Aktion hat es die pazifischen Flossentäger zum Biss verleitet und dies nicht zaghaft sondern vehement und mit mehrfach Attacken.
( zu sehen im neuesten RF Prod. Video " Lachsfischen am River Kutchtui August 2002 " )
Nicht zu schweigen von den Arctic Graylings, die sich den Angriff auf eine gelbe Technomaus (Hakengröße 2/0, plus Formkörper) nicht verkneifen konnten.
Helikopterflug: Durch den Verzicht auf die Busisinessclass (besonders hart für unser mitfischende Dame Monika, bezüglich Beeinfreiheit und operierte Knie) haben wir uns einen nicht gerade günstigen Helikopterflug geleistet, 2000 US Dollar für 4 Stunden ist ja au ich kein Sonderangebot.
Das Erlebnis war Überwältigend ! Der Ausflug mit dem 15 Jahre alten russischen MI-8 Armeehubschrauber ( 4 Tonnen Nutzlast ) sorgte wohl bei allen für Gänsehaut. Wenn wir allerdings vor dem Flug gewusst hätten, dass sich der Preis erhöht hat, weil der Helikopter nur noch dreissig Stunden bis zum Verschrotten fliegen darf, währe es nicht bei der Gänsehaut geblieben.
Schöne, wenn auch ungewöhnliche Fischerei auf Äschen: Trockenfliegen wurden von oben aus der Luft im Sprung attackiert. Die Nymphe upstream, dead drift stand nicht auf dem Speiseplan. Die Nymphe am Sinktipp upstream gestrippt, war die erfolgreichste Technik (Pfahlbauermethode, wie René sagt).
Die Heimreise: Noch schlimmer als die Anreise, jeder Flug mit einen Tag Verspätung. War nur mit der Fröhlichkeit und der Gelassenheit unserer Truppe auszuhalten und der russischen Einstellung, "wenn nichts geht, Party geht immer und überall - Sa sdorowje ".
Das Resume: In jeglicher Hinsicht ein Erlebnis, Fischerei einfach Klasse, natürlich auch bedingt durch die Abgeschiedenheit der Gegend und der Schwierigkeiten der Anreise.
10 Tage fischen, 7 Tage reisen ( Für drei von uns mit verkürztem Aufenthalt 8 Tage fischen/ 6 Tage reisen ). Bei den 8-9 stündigen Flügen ist Buisinessclass, obwohl extrem teuer als Upgrade, durchaus empfehlenswert.
Kein Ausflug den man jedes Jahr macht, aber sicher irgend wann mal wieder.
08.09. 2002 Jürgen |