Ostsee (Fehmarn) 2002
 

Fliegenfischen an der Ostsee
 

Reisebericht von Josef W. Murer

Erste Versuche mit der Fliege auf der Insel Fehmarn (Schleswig-Holstein) im Mai 2002.

 
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Marianne meine Frau wünschte sich für unsere Frühsommerferien einmal die Provence mit der Nord- oder Ostsee zu vertauschen. Am liebsten auf eine der Deutschen Inseln, Fehmarn, Rügen oder Usum. Kaum war unsere Wahl auf Fehmarn gefallen (die Insel erreicht man am besten über die A7 von Lindau nach Hamburg und ab da via Flensburg nach Fehmarn = ca. 1150 Km ab Zürich) beschäftigte ich mich natürlich auch mit den FF-Möglichkeiten im ausgesuchten Feriengebiet. In einigen Ausgaben von „Fliegenfischen“ war immer wieder über das „Silber des Meeres“ und die Hornhechtfischerei mit der Fliege zu lesen. Im Internet fand ich ebenfalls einige Hinweise und Kontakte von erfahrenen Meerforellenfischern.
http://www.meerforellenfischer.de/ http://www.broesel-online.de/  
Ehrensache, dass ich natürlich auch die für diese Fischerei zu verwendenden Fliegenmuster selber gebunden habe.
Die wohl populärsten Küstenfliegen-Muster sind (beschwerte) Shrimp- & Krabben Variationen auf Salzwasser Streamerhacken der Grössen 6-10, Black & Red Magnus in Varianten, Juletree, Mickey Finn, dunkle Zonker und Wolly Bugger für den Abend und die Nacht. Die Mysis (auch bis Grösse 12) ist ein „populäres“ Muster. Bindeanleitungen findet man auf den diversesten und bekanntesten FF-Seiten im Web (http://www.foellmiflytyer.ch und http://www.fliegenfischer-forum.de/)
 
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Ich musst auch die Ausrüstung den (leicht?) erschwerten Bedingungen der See (Wind und Wellen) anpassen, d.h. eine 9-10’ Fliegenrute der Klasse 7-8, damit bei dem an der Küste fast immer anwesenden Wind, gut geworfen werden kann.
Ein Schusskorb ist ein MUSS. Optimal wäre der „Container“ von Orivs (die Einheimischen sind alle damit ausgerüstet). Als Binnenländer muss man einen Kompromiss zwischen Zweck, Handlichkeit, Transportfähigkeit und Gewicht machen. Ich habe mich für einen KR Line Tender von Kennebec River Fly & Tackle (bei HR Hebeisen zu beziehen) entschlossen. Kann in der Rückentasche der Weste problemlos transportiert werden, ist leicht, äusserst flexibel und auch zum Gehen geeignet.

Das Vorfach sollte 200-250cm lang sein und an der Spitze 0.25mm messen. Man muss immer mit Kapitalen rechnen. An windstillen und ruhigen Tagen darfs auch 0.20mm sein, da dann auch kleinere Fliegen erforderlich sind.

üstenfliegenfischen gehen ohne sich zuvor bei Udo’s Angeltreff in Burg die letzten Informationen über die besten Standorte und den überaus praktischen Angelführer für Fehmarn zu beschaffen (5 €).
Als Greenhorn habe ich mich ebenfalls der professionellen Hilfe von Stefan Nölting (Guiding-Service für Fliegenfischen im Meer – 0049/4371 9173 oder 2420, mailto:snoelting@t-online.de ) anvertraut.
Mit allen Notwendigkeiten ausgerüstet (dazu gehören auch – obwohl schon Mai warme – Watausrüstung mit Watstock, Stirnlampe, Thermosflasche mit heissem Getränk sowie eine Zwischenverpflegung – am besten in einer Anglertasche oder einem kleinen Rucksack verstaut) machte ich mich voller Erwartungen zusammen mit Stefan so gegen 18.00 Uhr auf die erste „Pirsch“ am Westermarkeldorfer-Strand.
Für Ostseeverhältnisse war die See ruhig (Windstärke 2) und schon nach den ersten Würfen realisierte ich, dass ich wohl den Doppelzug etwas mehr beherrschen sollte. Es ist von grossem Vorteil weit werfen zu können. Obwohl ein grossteil der Fische wird in einem Abstand von 10-20m von der Rutenspitze gefangen (Vertiefung zwischen dem Meeresufer und der ersten Sandbank). Auf Grund der (kleinen) Grösse der Insel Fehmarn kann je nach Windrichtung kurzfristig der Strand gewechselt werden, denn gegen auflandigen Wind kann man das Werfen der Fliege glatt vergessen.

Vor dem Hinauswaten daher das vor einem liegende „Terrain“ gründlich abfischen. Dann hinauswaten und Werfen, Strippen; Werfen, Strippen; Werfen, Strippen; usw. Das Waten sollte mit grosser Vorsicht geschehen – glatte Steine und plötzliche „Löcher“ können zu bösen Überraschungen führen – Watstock!!!Nach ca. 2 Stunden hatte ich das Gefühl, dass mein rechter Arm nicht mehr zu mir gehöre, bzw. nächstens den Geist aufgeben wird. Es ist ganz schön anstrengend. Nicht zu vergleichen mit Nymphen- oder Trockenfliegenfischen am Bach oder Fluss. Eine Pause auf dem Strand war dringend nötig. Jetzt kommt auch Thermosflasche & Pullover zum Zug denn trotz sommerlichen Temperaturen durch den Tag hindurch ist die See erst so gegen 10°C warm und Nachts wird’s noch ganz schön kalt.
 
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Oft hat man abgesehen von der vor einem liegenden Sandbank keine Anhaltspunkte wo der Fisch sein könnte und muss daher systematisch 360° um den Standort herum alles Abfischen und sich anschliessend um einige Meter nach rechts oder links „verschieben“ und das ganze erneut beginnen.

An Stränden mit „Leopardengrund“ und grossen Steinen fühlt man sich (so erging es wenigstens mir) als „Binnenländer“ etwas wohler, hat man doch einige Anhaltspunkte. Leider wollten auch auf dieser Inselseite die Fische nicht ganz so wie ich.
Leider war es mir nicht vergönnt (wie so vielen vor mir) bei den ersten Versuchen eine Küstenmeerforelle zu landen oder nur schon zu hacken. Auch die Hornhechte wollten nicht so recht an meine Fliegen. Immerhin haben sich dann doch noch zwei meiner „erbarmt“ die Fliege genommen und auch bis kurz vor meinem Standort „mitgemacht“ und mich einen schönen Drill erleben lassen. Kurz vor der eigentlichen „Landung“ aber sind mir beide „off the hook“.

Ich werde sicher wieder einmal an die Ostsee fahren und mich auf einen weiteren Versuch einlassen. Wenn ich auch keine Fische gefangen habe, so war es trotzdem eine interessante Erfahrung mich mit der Charakteristika des Küstenfischens mit der Fliege auseinander zu setzen. Ich danke Stefan Nölting für seine wertvollen Tips und Hinweise und freue mich auf unser nächstes Wiedersehen.
 
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Die fantastische Stimmung beim Sonnenuntergang, die interessante Landschaft und die Atmosphäre an der See haben mit für die „erfolglosen“ Stunden mehr als entschädigt.
 
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Fehmarn ist eine tolle Insel, mit vielen kleinen, gemütlichen Dörfern und Kneippen, ausgedehnten Stränden und wilden Dünen. Ganz so wie wir uns Binnenländer das so vorstellen.

Wir kommen ganz sicher wieder!

Josef W. Murer im Mai 2002