Montana 2000
 

Fly Fishing Trip nach Montana (USA)
 
Reisebericht von J. Wetten und A. Wetten

Endlich war das lange warten vorbei. Am 3. Sept. 2000 standen wir mit Gepäck und Ausrüstung am Flughafen Kloten, von wo aus unsere Reise über New York nach Salt Lake City und Jackson Hole (Wyoming) gehen sollte. Unsere zwei Kollegen aus Deutschland hatten in letzter Minute die Reise abgesagt und so waren wir nur noch zu zweit. Mein Bruder Alfred und ich. Hansjörg war ein paar tage früher geflogen und erwartete uns dann in Jackson
 
Die 3 Teilnehmer
 
Leider ging der Flug an diesem Tag nur bis New York. Da der Flug nach Salt Lake City grundlos gestrichen wurde verbrachten wir unsere erste Nacht New York. Am nächsten Morgen konnten wir dann unsere Reise fortsetzen und landeten ohne weitere Zwischenfälle in Jackson Hole. Auch Hansjörg war noch da und empfing uns, ohne sich über unsere Verspätung zu ärgern. Hansjörg ist unser Guide und Führer, er kennt Montana und den Yellowstone Park in- und auswendig. Nun konnte unsere Reise erst richtig beginnen. Am nächsten Tag nahmen wir unser Motorhome in Empfang und fuhren Richtung Yellowstone Nationalpark.
 
 
Wunderbare Landschaften, traumhafte Flüsse, Wälder und Seen begegneten uns. Schon der erste Eindruck war phänomenal. Es kostete uns als Fischer schon einiges an Überwindung, um an diesen Flüssen vorbeizufahren ohne anzuhalten. Wenigstens einige Würfe mit der Fliegenrute sollten doch erlaubt sein ? Nur, zuerst mussten wir die Lizenzen besorgen. Für den Yellowstone Park benötigt man eine Parklizenz. Am besten besucht man einen der Zahlreichen „Visitor Centers“. Fast überall erhält man für 10 US $ eine 10-Tageslizenz für den ganzen Park. Auch der Parkeintritt von 20 Dollar erschien uns angesichts des Angebotes als sehr angemessen. Leuchtend blaue Flüsse in braun- gelber Umgebung überall wo das Auge hinschaut. Wälder Seen und Berge, noch nie habe ich eine so eindrückliche und wilde Naturlandschaft gesehen.
 
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Wir befischten am ersten Abend den berühmten Yellowstone-River. Die Nacht und die Dunkelheit waren zwar nicht mehr weit. Trotzdem mussten wir wenigsten einen Versuch unternehmen. Nichts regte sich an diesem Abend. Kein Ring und auch kein Fisch bekamen wir zu Gesicht. Erst am nächsten Morgen bemerkten wir die Kälte, die um diese Jahreszeit hier oben herrscht. Am Tag wunderschönes und warmes Wetter und in der Nacht sanken die Temperaturen gegen den Gefrierpunkt. Die Fenster unseres Motorhomes waren am Morgen mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Wir waren zum Glück von Hansjörg vorgewarnt worden und hatten dementsprechend genug warme Kleider eingepackt.
Bisons und Hirsche begleiteten uns am nächsten Tag. Es ist sehr eindrucksvoll, diese Tiere in freier Natur zu beobachten. Die Bisons, die hier fast als ausgestorben galten, sind in der Zwischenzeit wieder sehr zahlreich und fast im ganzen Park anzutreffen.
 
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Wir befischten im Park noch den Nez Perce Creek ein kleiner Zufluss des Firehole Rivers. Ein wunderbarer Fluss in einer faszinierenden Landschaft. Obwohl wir mehrheitlich kleinere Fische an Land zogen, hatten wir nicht den Eindruck, dass wir am falschen Ort wären. Bisons und Hirsche waren überall in der Nähe und lenkten uns sowieso ein bisschen ab.
 
Bildserie 3
 
Sehr eindrucksvoll waren auch die sogenannten „Geysers“. Diese warmen Quellen sieht man hauptsächlich im Westen des Nationalparks. Dicke Dampfwolken und Fontänen von einigen Metern schießen überall aus dem Boden. Bei unserer Besichtigung der Quellen war das Wetter das einzige, dass an diesem Tag nicht richtig mitspielte. So konnten wir die Farbenpracht dieser Heißwasserquellen nicht richtig genießen. Aber es war ja zum Glück der einzige Tag, an dem es so richtig kalt und regnerisch war.
 
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Der nächste Tag bescherte uns einen unvergesslichen Ausflug. Der Slought Creek stand auf dem Programm. Nach einer ca. 2 stündigen Wanderung erreichten wir die sogenannte „middle sektion“ des Creeks. Strahlend blaues Wasser und eine Gegend wie aus dem Bilderbuch. Der Slought fließt auf einer Hochebene am Rande desNationalparks. Hier oben trifft man nur selten auf andere Fischer, da die Amis ja bekanntlich nicht gerne mehr als 200m zu Fuß gehen.

Der Slought beherbergt einen sensationellen Fischbestand. Cutthroat- und Regenbogenforellen sind hier in stattlicher Größe vertreten. Sie standen im klaren Wasser und warteten nur auf unsere Fliegenimitationen. Aber weit gefehlt, die Fische trieben uns fast in den Wahnsinn. Alles haben wir an diesem Nachmittag ausprobiert. Nymphen, Trockenfliegen, Aufsteiger in allen Größen. Nichts, kein Biss. Obwohl wir die Nymphen direkt vors Maul servierten, war kein einziger Fisch zum Biss zu bewegen. Weiter unten fließt der Slought durch eine kleine Schlucht. Dort erwischten wir schließlich doch noch einige schön gezeichnete Rainbows. In der Größe nicht annähernd mit den Fischen die wir weiter oben gesehen hatten zu vergleichen. Hansjörg erklärte uns, dass das absolut nicht die Regel sei. Wahrscheinlich hatten wir einfach nur den falschen Tag ausgesucht. Trotzdem empfehle ich jedem, der gut zu Fuß ist, diesen Ausflug zu unternehmen. Die grandiose Landschaft der malerische Fluss und die unberührte Natur sind Grund genug um diesen Fußmarsch auf sich zu nehmen.

 
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Mit bleibenden Erinnerungen verließen wir den Yellowstone Park Richtung Livingston. Unser Ziel war der Bighorn River in Osten Montanas.
In Livingston besuchten wir noch das Museum der „FEDERATION OF FLY FISHERS „ (FFF) und besorgten dort die Lizenzen für den Staat Montana. Für einen bescheidenen Obolus von 50 US $ ist eine Jahreslizenz für ganz Montana zu haben. Die Karten sind in fast jedem Fly Shop erhältlich. Unbürokratisch, freundlich und sehr hilfsbereit, überall wo man hinkommt. Da muss ich den Amis schon ein Kränzchen winden. Ich rate jedem, der nach Montana geht, sich in den Fly-Shops oder in einem der zahlreichen Informationscentern zu informieren. Man bekommt einfach alles, jede Auskunft, fängige Fliegen, Gewässerkarten, Tipps, Hinweise und alles was man sonst noch braucht. Bei Dan Bailey’s Fly Shop besorgten wir die Staatslizenz und machten noch ein paar Einkäufe. Die Auswahl bei Dan Bailey’s ist riesengroß, nur der momentan hohe Dollarkurs, hat uns davon abgehalten, unsere Reistaschen mit Bindematerial und Fischereiartikel zu füllen.
Bis zum Bighorn brauchten wir fast den ganzen Tag. Rund 250 Meilen vom Yellowstone entfernt fließt der Bighorn River mitten durch Indianergebiet. Gespießen wird er durch einen Stausee, dem er auch die immer gleichbleibende Wasserführung zu verdanken hat. In Fort Smith besuchten wir als erstes den Bighorn Angler. Ein typisch amerikanischer Fly Shop. Es empfiehlt sich auch hier, unbedingt Informationen einzuholen. Es ist zum Beispiel nicht erlaubt, Indianerland zu betreten oder zu befahren. Man braucht auch eine Spezialbewilligung, will man die Zufahrtsstrasse zum Fluss benutzen. Nur das Flussbett und die nahen Flussufer dürfen von uns Fischern betreten werden. Diese Gesetze werden hier auch ziemlich streng durchgesetzt. Schon aus diesem Grund erspart man sich viel Ärger und später Unannehmlichkeiten, wenn man sich vor Ort informiert.

Die Fischerei am Bighorn erwies sich als ausgezeichnet. Unser Trip mit dem Drift-Boat den Fluss hinunter wurde dann auch zum einmaligen Erlebnis. Den ganzen Tag haben wir Fische Gefangen. Fast alles wunderschöne Brown Trouts zwischen 35 und 45 cm. Aber auch einige der sogenannten „Mountain Whitefish“ gingen uns an den Haken. Zu unserer Verwunderung lieferten diese Fische einen erstaunlichen Drill.

 
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Am Abend erlebten wir aber auch wie selektiv die Fische hier ihre Nahrung aufnehmen. Durch das enorme Insektenaufkommen wissen die Fische genau was auf der Speisekarte steht und verweigern jegliche andere Nahrung. Sie nehmen nur die entsprechenden Insekten, die im Moment gerade aktuell sind. Steigperioden bis zu 2 Stunden und mehr, Hunderte von Ringen, Köpfe und Schwanzflossen übersäten zum Teil den Bighorn. Da gerät jeder Fischer fast außer sich, sollten die richtigen Fliegenmuster nicht dabei sein. Fliegen in den Größen zwischen 18 und 24 sind ein muss. Am 10er oder 12er Vorfach mit diesen Winzlingen zu fischen bereitet unerhört viel Spaß.
 
Bildserie 7
 
Nur ungern verließen wir nach einigen Tagen den Bighorn. Von Fort Smith zurück nach Livingston und weiter nach Dillon ging unsere Reise. Der Beaverhead River und der Poindexter Slough erwarteten uns bereits. Ein Campground war schnell gefunden wie überall in Montana. Vom Bighorn immer noch verwöhnt, war es nicht leicht sich wieder an die relativ zähe Fischerei am Beaverhead zu gewöhnen. Wir ließen uns jedoch nicht unterkriegen. Hansjörg’s Erfahrung kam wieder zum Zug. Nachdem die Fische zwar regelmäßig stiegen (oder buckelten) aber absolut nichts nehmen wollten, montierte er eine Nassfliege. Fischte sie schräg stromabwärts und lies die Fliege auslaufen und danach aufsteigen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bis zur völligen Dunkelheit gingen uns dann doch noch einige „Brownis“ an den Haken. Und auch unsere beschlossene Vorspeise fürs Nachtessen wurde kurzerhand eingepackt. Der Poindexter Slough (Ein Zufluss des Beaverhead Rivers) ist ein kleiner aber wunderschöner Fluss in einer herrlichen Umgebung. Wahrscheinlich war es der wärmste Tag in diesen 2 Wochen. Bei fast 28°C versuchten wir unser Glück am Poindexter. Nicht nur wir wurden von der drückenden Hitze schlaff und lustlos, sonder auch die Fische schienen unter der brennenden Sonne keine Lust auf irgendwelche Insekten zu habe. Ich glaube Alfred war der einzige der wenigsten einige Bisse zu spüren bekam.
 
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Die zwei Wochen waren fast wie im Flug vergangen. Aber die letzten 2 Tage waren noch für den Madison River und Hebgen Lake vorgesehen. Von Dillon aus fuhren wir nach Twin Bridges und weiter nach West Yellowstone. Unterwegs hatten wir noch die Möglichkeit, die Fabrik von R.L.Winston (Fly Rods) zu besuchen. Den Grund kenne ich nicht mehr genau, aber fast die ganze Belegschaft war an diesem Tag nicht anwesend. Die Werkstätten waren dadurch leider geschlossen. Nach der Besichtigung des Museums, durften wir dann noch die neusten Winston Ruten ausprobieren. Hansjörg, der den „Gebetsroither Wurfstil“ fast perfekt beherrscht, hatte kaum angefangen zu Werfen als ein Mann aus seinem Büro herauseilte und zu uns auf die Wiese kam. Der Wurfstiel hatte ihn so beeindruckt, dass er sofort wissen wollte, wo wir das gelernt haben. Als er hörte, dass wir aus der Schweiz sind, erwähnte er sofort den Namen, Roman Moser (Österreicher). Es gibt also doch auch Amerikaner die unseren Wurfstiel kennen und Ihn auch lernen wollen. Allerdings war das aber auch der einzige, der uns in diesen 2 Wochen darauf angesprochen hat. Überall haben wir sonst nur den Amerikanischen Wurfstiel gesehen
 
 
Der Upper Madison River hat einen ganz anderen Charakter, als die Flüsse der vergangenen 2 Wochen. Er ist relativ breit, nicht sehr tief und fließt fast überall gleichmäßig schnell. Der Madison war „der“ Inbegriff für „big brows und rainbows“. Leider wurden die Fische von einer Infektionskrankheit ( whirling disease) befallen und dadurch stark dezimiert. Aber auch heute noch kann man den Bestand als gut bis sehr gut bezeichnen. Wir hatten auf jedem Fall unsere Freude am Madison. Rainbows, Brown Trouts und schon wieder unsere lieben „Mountain Whitefishe“ ließen sich überlisten. Auch die Fliegenwahl war am Madison nicht so problematisch, große Fliegen, kleine Fliegen und Nymphen in allen Variationen wurden genommen.
 
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Im Laden von Craig Mathews (Blue Ribbon Flies) in West Yellowstone mieteten wir für 15 $ ein Belly Boat. Dass das ein Riesenspaß würde war schon im voraus klar. Ich hatte so ein komisches Ding noch nie in Natura gesehen und war besonders gespannt auf das was da auf uns zukommen würde. Rechtzeitig waren wir am Abend am Ufer des Hebgen Lakes. Ein Riesengaudi, bis wir nur alles montiert hatten und bereit waren für die Wasserung. Der Einstieg gelang uns dann auch ohne nennenswerte Pannen. Die ersten Ringe waren schon auf dem Wasser sichtbar und wir versuchten diese Dinger dorthin zu manövrieren. Wohin jetzt mit der Fliege. Dort wo vorhin noch ein Ring war, ist sicher kein Fisch mehr. Von welcher Richtung ist der Fisch gekommen und in welcher Richtung schwimmt er nun weiter ? Die Fliege einfach liegen lassen ? Ja, es erwies sich als gar nicht so einfach, mitten auf dem See in einem Belly Boat zu sitzen, ringsum steigende Fische und nicht zu wissen wohin man nun die Fliege servieren soll. Meistens waren wir immer zu spät oder hatten die Fliege am falschen Ort.
Nur Alfred war an diesem Abend am Ufer geblieben. Er machte einige Fotos von uns und fing nebenbei auch noch Fische. Hansjörg und ich waren leer ausgegangen. Es war aber ein einmaliges Erlebnis. Ein ganz eigenartiges Gefühl, mitten in einem See, in so einem Ding zu stehen und die Fliegenrute zu schwingen. Unbedingt mal ausprobieren, sollte sich die Möglichkeit ergeben !
 
Bildserie 10
 
Ein Erlebnis fürs Leben, die letzten 12 Tage. Nur schweren Herzens brachen wir am nächsten Tag auf zu unserer Letzten Fahrt mit dem Wohnmobil nach Jackson Hole, unser Ausgangspunkt und gleichzeitig auch Endpunkt. Die Rückgabe des Wohnmobils ging ohne Probleme vonstatten. Und nach einer letzten Übernachtung ging es wieder zurück in die Heimat.

Fazit:
Die karge Vegetation, unberührte Natur, das braungelbe Steppengras und mittendrin die Flüsse in leuchtendem blau. Ich glaube, man muss es gesehen haben, um diese Schönheit überhaupt zu begreifen. All die unzähligen „Rivers“ und „Creeks“ an denen wir nur vorbeigefahren sind, aber nicht befischt haben, sind Grund genug um nochmals hierher zurückzukehren. Obwohl die Fischerei nicht immer ausgezeichnet war, bin ich weder enttäuscht noch deprimiert. Wir erlebten einfach alles. Sensationelle Fischerei und sehr, sehr zähe Fischerei. Für mich ist klar, Montana ist etwas besonderes und allemal eine Reise wert.
Besonders bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Hansjörg. Ohne ihn hätten wir sicher nicht diesen Erfolg gehabt. Seine jahrelangen Erfahrungen in Montana haben viel dazu beigetragen, dass unsere Reise ein Riesenerfolg wurde. Vielen Dank Hansjörg.

Was die Organisation der Fischerei betrifft, könnten wir Europäer ein ganz großes Stück von den Amis abschneiden. Alles perfekt organisiert, dokumentiert und beschrieben. Wirklich überall kann man sich informieren, Karten besorgen oder auch Guides anheuern. Auch als Neuling sollte man so problemlos durch Montana kommen. Die Menschen sind freundlich und sehr hilfsbereit. Nirgendwo hat man uns schräg angeschaut oder gar unfreundlich begrüßt. Ich hoffe sehr dass das auch in Zukunft so bleiben wird, damit auch andere Fliegenfischer, Montana so erleben können wie wir es erlebt haben.

Wetten Johann / Oktober 2000