Indian-Summer 2000
 

Fliegenfischen in Österreich Kleine Drau/Salzach/Loisach
 

Reisebericht von Felix Haab

Für den Saisonabschluss 2000, 10. – 18. Oktober, haben wir den schönen Indian-Summer in Österreich gewählt. Wir, das sind namentlich Marco Boeschenstein und Felix Haab. Wie sich später herausstellte, ist Marco der Enkel von “Methusalix“! Gelesen in “Faszination Fliegenfischen“ von HRH. Das Jagdfieber ist also schon seit Generationen in seinem “Blut“. Mein Uhrsprung in Sachen Fischen findet man auch so um 1930 in Iseltwald am schönen Brienzersee. Mein Großvater, Ernst Haab, besaß ein Hotel, das Bellevue, wo er die Gäste in den eigenen Booten zum Fischen fuhr. Die Gäste aus allen Herrenländer hatten so ihre Macken. Vor allem die Engländer ließen sich die Köder und Würmer von Hebeisen aus Zürich zusenden.
Soviel zu uns.
Im Spätsommer haben wir die Pläne für das Oktoberfischen geschmiedet. Am Anfang sollte unser Freund und Präsident unserer Fliegenfischerzunft auch mit von der Partie sein. Leider konnte Ueli, genannt das Adlerauge, nicht mitkommen.

Bei der Routenplanung hatten wir darauf geachtet, dass aus der geographischen Lage der einzelnen Fischwasser eine schöne Rundfahrt durch das Österreich resultiert. Aufgrund der globalen Vernetzung, Web und Mail, konnten wir die Riverkeeper und die Ressorts sehr speditiv kontaktieren bei gleichzeitigem Buchen.
Um am Morgen des Abreisetages Zeit zu sparen, lud ich “Methusalix“ am Vorabend zu mir zum Schlafen ein. Nach dem feinen Abendessen, das meine liebe Frau zubereitet hat, haben wir doch das eine oder andere “gefachsimpelt“. Bei Fotos, Bücher und Anecktoden wurde die Anglerwoche so richtig eingeläutet. Anhand der Aufregung konnte an ein anschließendes geruhsames Schlafen im Hause Haab nicht mehr gedacht werden.

Um 0 430 rief ich unserem Gast ins Gästezimmer: Tagwache ! Die Forellen steigen! Worauf unser Gast im Halbschlaf: So geil! Wirf sie an. Halt, wir müssen aber zuvor noch sechs Stunden Autofahren. Aha.
 
Sillian / Kleine Drau
Nach der sehr flüssigen Fahrt kamen wir um 1200 im Hochpustertal bei Calovis an. Nach dem Zimmerbezug ging's zum Metzger essen und anschließender Revierbesichtigung. Dabei haben wir unterwegs José bei seiner Passion am Wasser getroffen.

Es sei halt heute schon zäch. Aber mit der “richtigen“ ginge es schon. Nach der Materialschlacht, was so alles zusammen kommt, wenn zwei das gleiche tun und mit einem Kombi Reisen. Am Revierende montierten wir. Im Synchron-Wurf, Marco fischte Backhand-Sidecast, ging es dann links und rechts Stromauf
 
Bildserie 1
 
Marco konnte dabei schon einige gute Salmoniden, kunst- und artgerecht landen. Bei mir stellten sich nur einige Bisse ein. Ich hatte es noch nicht so mit der Tiefe. Am Abend ging's zum Italiener, wo jeder nach seinem Gusto bestellte.
Später, nach meinem Handy-Malheur, war das Binden angesagt. Standesgemäß wurden die entsprechenden für den nächsten Tag gezwirnt. Anton stand uns auch an diesem Abend interessiert und mit Tipps zur Seite.
 
Der nächste Morgen begann schon mit einer von noch so vielen kommenden Überraschungen. Was für eine Sorpresa. René Föllmi besuchte uns am Wasser. Zur gleichen Zeit amtete er wie alljährlich in Matrei, Osttirol, bei HRH als Fliegenbindeinstruktor.
 
Am späteren Nachmittag erreichte uns dann auch die Monika Eppers, die nach ihrem Auto-Malheur in Vaduz zu uns reiste.
Zusammen befischten wir die “Klimastrecke“. Alle hatten doch einige schöne Fische. Alle auf die trockene! Ich musste auf meine trockenen aufpassen. Ich besaß nur noch zwei Lee Wulf, Made by F.H. Seit dem Vortag vermisste ich meine “Wheatley“! So eine sch......

Später stieß José zu uns und geißelte mit Marco noch bis in die Dunkelheit. Abends berichteten die zwei von starken Äschen und Rainbows, die sie überlistet haben. José war nicht mehr zu bremsen. Er hatte DIE Äschen gefangen. Wir erfreuten uns bis in die späten Abendstunden an ihrem Fischerlatein. Marco konnte auf dem Renzetti von José seine ersten Parachuts binden. Chapeau Marco, die waren wirklich gut. Der Respekt wurde ebenfalls von unserer “Bindekönigin“, Monika, gezollt.
Der dritte Tag war vom Unwetter so sehr geprägt, dass wir schon am Abend weiter nach Mittersill fuhren.


Mittersil / Salzach und Umgebung
Im Bräurupp angekommen, haben wir gerne das reichhaltige Abendessen zu uns genommen. Einige bekannte Fischerfreunde hatten uns beim Kaffe begrüßt und uns die aktuellen News vom Revier berichtet. Nach einem Longdrink, oder einigen, ging es dann schweren Kopfes ab in die Heia.
 
Neu eingedeckt mit FF-Utensilien, vom hauseigenen Fischerladen, fuhren wir los. Da Marco das sehr große Revier schon kannte, führte er mich in dasselbe sehr gut ein. Bergbäche, Bergseen, Stillwasser, ...... alles was das Herz begehrt. Einfach super!




Immer noch vermisste ich meine trockene “Wheatley“!

 
Unterwegs im Revier haben wir Thomas mit seinem deutschen Fischerfreund getroffen und haben einander gegenseitig mit sehr guten Tipps und Ratschlägen ausgeholfen.
Am Auslauf des Hintersees, beobachtete uns ein bayrischer Spaziergänger. Marco und ich fischten mit einer Rute. Nach etwa 10 – 12 Fischen, schönen Saiblingen, Bachforellen und Rainbows, übergab ich die Rute an Marco. Er fing ebenfalls sehr gut. Da war es für den Bayern genug. Er fragte nach, warum wir denn die Fische zurücksetzten. Marco: Wir sind Hegefischer, fischen mit Schonhacken und entnehmen keine Fische. Da platzte ihm der Kragen. Er fluchte, gestikulierte mit den Händen und schnaubte beim davon zotteln: Jetzt spinnen sie auch noch, die Schweizer

Am Morgen des zweiten Tages war wunderschönes Wetter, viel Sonne und gute Luft angesagt. Ein prächtiger Angeltag kündigte sich an. Und es kam noch viel besser !
 
Bildserie 2
 
Frisch fröhlich machten wir uns auf, ein für mich neues Tal zu becasten. Das bis anhin neue Fischen, zu zweit unterwegs zu sein, war für mich ein Novum. Ich nenne es das American-Flyfishing. Es gibt dem Fischen einige neue Aspekte wie, gegenseitig helfen, Posing und Fotoshooting, ein aufmunternder Spruch nach dem Verlieren eines “grossen“ und last but not least das Teilen der Freude beim Drillen und Landen mit anschließendem “Posing with Fish“.
Wenn der Flyfishingpartner eine starke Salmonide gehakt hat, kommt es gar nicht darauf an, wer den Fisch gefangen hat. Eben, geteilte Freude ist doppelte Freude
 
Bildserie 3
 
Jungfräulich zeigte sich das hohe Herbstgras. Der Tau hing noch an den Halmen. Die letzten Dunstwolken stiegen mit der Thermik von der Sonneneinstrahlung auf. Was für schöne Pools. Wir konnten uns in der Deckung des Auenwaldes bis ans Wasser anpirschen. Oh!!!!! Da tummelten sie sich auf einer hellen Sandbank wie das Dammwild in der Morgendämmerung in einer Waldschneise. Unglaublich diese riesen “Viecher“.
 
Ich gestikulierte in der Gebärdensprache, geh du voran. Marco montierte eine riesige Irresistible. Er warf die Leine in den mit Sonnenstrahlen durchbrochenen Dunst, der vom glasklaren Pool in den Himmel aufstieg. Die fünfer-Leine legte sich elegant, samtig und und schon fast graziös auf das Wasser. Die Luft war zum zerreißen. Das Wasser brodelte. Unsere Pumpi raste. Es war zum Schreien. Und die Fliege schwamm
Sie schwamm majestätisch in Richtung Zentrum des smaragdfarbenen Pools.

Plötzlich ein Schrei: Ich hab sie!

 
Bildserie 4
 
Eine sehr schöne Rainbow-Trout von ca. 58 cm.
In den darauffolgenden Stunden wiederholte sich diese Szene noch ein paar mal. Wir badeten von einem Adrenalinschub zum anderen. Ich ging sogar beim Drill mit einem sehr starken Saibling auch noch baden.
 
Bildserie 5
 
Beim Aufstieg aus diesem Talkessel, tangierten wir die Autostrasse. Oben angekommen empfingen uns zwei Jeeps mit vier Fischern, die sich gerade die Beine vertraten. Die Reisenden kamen gerade von einer Woche Socca, wo es nur so gegossen hat. Was wir denn so fangen, wollten sie wissen. Mit großen leuchtenden Augen berichteten wir von den Rekordfischen. Nach einigem Wortwechsel zogen wir von dannen.
 
Bildserie 6
 
Plötzlich hörten wir aus der Richtung der Jeeps ein sehr lauter Fluch. Wir schauten uns an und gingen weiter. Am späten Abend an der Bar ging uns ein Licht auf, die haben unserer wegen geflucht. Wir amüsierten uns köstlich.
Kurz vor dem Heimfahren ins Hotel, befischten wir nochmals den besagten Pool. Diesmal erhielt ich den Vortritt für das Erstbefischen. Zwei, drei Würfe. Ich hatte es mit der Nymphe probiert. Nichts. Nun versuchte es Marco mit diversen “Fliegen“. Auch nichts.
 
Ich sagte lass mich noch mal ran. Ich montierte die ultimative very special “HSR“-Nymphe. Von der gibt’s nur zwei Stück. Das Dubbing stammt aus der hauseigenen Produktion.
 
Erster Wurf, erstes Absinken............
Bewegung am Grund des Pools eins. Ein großes weißes Fischmaul schwamm auf mich zu und .............ANSCHLAG! Sie hing. Eine schöne 46 cm Rainbow
 
Bildserie 7
 
Am Abend trafen wir Tobias aus der Schweiz. Wir hatten doch das eine oder andere zu Berichten!
Bildserie 8
 
Der dritte Tag ging zu den Krimlern-Wasserfällen. Wir erlebten einen sehr gediegenen Angeltag mit vielen Fischen.
Bildserie 9
 
Lermoos / Loisach
Das Finale unserer Reise sollte an der Loisach in Lermoos stattfinden. Am Anreisetag wurden wir wie immer sehr freundlich und nett von der Helga Blessl empfangen. Nach kurzer Stärkung wurde die Loisach unter die Lupe genommen.
 
Nach anfänglichem Fischen an der Schonstrecke suchten wir den Sagi-Gumpen auf. Wir fingen hier doch die eine und andere Forelle. Etwas später hielt der Silberpfeil von Hampi und Christa neben uns auf der Strasse an. Nach heiterem Begrüßen versuchte auch Hanspeter sein Anglerglück.
 
Bildserie 10
 
Vor dem Abendessen traf man sich in der hauseigenen Therme und berichtete im Dampfbad über die “Selbstmörder“ die man gehakt hat.
 
 
Tags darauf befischten wir den Felice-Pool und den EW-Gumpen. Ein kleines Wettfischen stellte sich ein. Schlussendlich gingen beide Petrijünger als Sieger hervor.
Abends nach dem standesgemässen Billardspiel liessen wir bei einem Longdrink die vergangenen Tage Revue passieren. Wir realisierten erst jetzt, was wir eigentlich für Glückspilze waren. Wir hatten doch die schönsten und mildesten Tage im Oktober für das Fischen erwischt. In Sachen Unterkunft und Bewirtung erging es uns bestens. Wir hatten auf unserer Reise auch viele gute alte Freunde getroffen. Solche Erlebnisse am Wasser mit Freunden zu teilen ist doch sehr speziell.

In Sachen Fisch wurden wir des Petris hold und sind sehr zufrieden.

 

Es war ein schöner Saisonschluss 2000 in Österreich!

Der nächste Indian-Summer kommt bestimmt. Wir werden da sein.
 
Felix Haab, Maur - Schweiz
Le pecheur
 
Ps: Am letzten Tag fand ich meine “Wheatley“ im Auto unter all dem Kram. Tja, wenn zwei eine Reise tun...........