Graubünden 2000
 

Mit der Fliege nach Graubünden
 
Ferienreisebericht von Johann Wetten

1. Surselva (Bündner Oberland, meine Heimat)

Die Surselva ist in ca. 2 Stunden von Zürich aus mit dem Auto zu erreichen. Von Zürich aus fährt man über die A3 bis nach Chur und von dort weiter nach Flims und Ilanz. Schon in der Gegend von Ilanz gibt es einige interessante Gewässer zum Befischen. Der Rhein der hier noch jung ist bietet verschiedene Möglichkeiten um mit der Fliege jagt auf Farios zu machen. Weiter gibt es einige kleine Bäche und kleinere Flüsse in der Nähe, die eine abwechslungsreiche Fischerei bieten.
 
Bildserie 1
 

Mein erster Ausflug ging noch weiter in die Höhe. Mein Bruder Alfred und ich fuhren bereits um 5 Uhr morgens von Ilanz Richtung Disentis. Es war ein wunderbarer Sommertag, leichter Nebel lag noch in der Luft und die ersten Sonnenstrahlen erreichten den Boden. Der Himmel war mit einigen Quellwolken überzogen, ideal für eine erfolgreiche Fischerei. Da der Rhein bei Ilanz doch ziemlich viel Wasser führte und die Farbe alles andere als blau oder klar war, waren wir sehr gespannt auf das was uns dort oben erwartete. Wir wurden nicht enttäuscht, die halbe Stunde Autofahrt hat sich allemal gelohnt. Glasklares Wasser und ein anständiger Wasserstand versprachen einiges. Kaum am Wasser angelangt montierten wir unsere Fliegenruten. Aus Erfahrung versuchten wir es zuerst mit der Nymphe. Die frühen Morgenstunden eignen sich am besten um mit der Nymphe zu fischen. Erst so gegen Mittag und am späten Abend kann man hier mit etwas Glück einige Fische mit der Trockenfliege überlisten. Der Rhein bietet hier fast alles was der Fliegenfischer begehrt. Starke Strömungen, tiefe Gumpen und ruhige Läufe.

 
Ich versuchte zuerst in einigen Rieselstrecken mit mittleren bis kleinen Nymphen mein Glück. Jedoch ca. zwei Stunden erfolglos. Außer ein paar leichten Zupfer keine Regung ! War ich wieder zu unvorsichtig oder waren nicht die richtigen Nymphen dabei ?? Ich weiß es nicht. Im Wasser und unter den Steinen befanden sich Tausende von Köcherfliegen. Aber auch mit meinen Köcherfliegen-Imitationen blieb der Erfolg aus.
 

Ich beschloss weiter flussaufwärts zu gehen um meinen Bruder Alfred zu treffen. Auch er hatte nichts nennenswertes gefangen. So setzten wir uns am Flussufer nieder um einen gemütlichen „Znüni“ in freier Natur zu genießen. Kaffe, Brot und einige Wurstwaren gehören bei mir immer in den Rucksack.

 

 

 

 

 

Nach dem kraftspendenden Kaffe machten wir uns wieder ans Werk. Alfred hatte einen tiefen Gumpen ca. 20 Meter weiter unten entdeckt und versenkte dort eine große Goldkopfnymphe der Größe 8. Ich hatte noch nicht einmal mein Rucksack fertig eingepackt, als ich sah wie seine Rutenspitze sich beugte. Alfred hatte Mühe den Fisch im Gumpen zu halten. Beim Auslauf des Gumpen war die Strömung so stark, dass das 0.14er Vorfach wahrscheinlich zu schwach gewesen währe um den Fisch sicher zu drillen. Irgendwie schaffte er es dann doch noch den Fisch im Gumpen zu halten. Nach einem aufregenden Drill konnte der Fisch schließlich sicher gelandet werden. Eine wunderschöne Bachforelle von 39 cm war an den Hacken gegangen.

 

Wir erbeuteten nachher noch einige kleinere Farios mit derselben Goldkopfnymphe. Und sogar mit der Trockenfliege konnte ich dann gegen Mittag in ruhigen Passagen einige rotgetupfte überlisten. Ein wunderschöner Morgen durften wir am Rhein bei Disentis erleben. Wir beschlossen den Tag zu beenden und fuhren zurück nach Luven wo meine Eltern zu Hause sind. (Luven liegt auf einer Anhöhe direkt bei Ilanz) Die 39er landete natürlich gleich in der Pfanne und wurde mit Hochgenuss verspiesen.

 


2. Davos / Tiefencastel

Drei Wochen später begleitete ich meinen jüngeren Sohn Nicolas nach Davos. Die kleinen Fußballer verbrachten dort am Samstag einen gemütlichen Tag mit dem Fußballklub. Auch bei solchen Gelegenheiten bleibt meine Fliegenrute natürlich nicht zu Hause. Da der Sonntag zur freien Verfügung stand, war die Sache schon im voraus klar.
Bei Landquart mündet die Landquart in den Rhein. Dieser Fluss führt meisten viel Wasser und ist sehr schwierig zu befischen. Leider kenne ich diesen Fluss auch zu wenig um genauere Auskünfte darüber zu erteilen.
 

In Davos angekommen fand ich dann noch ein wenig Zeit um die umliegenden Bäche zu besichtigen. Zu erwähnen sind hier besonders der Sertigbach und der Dischmabach. Beide Bäche haben einen ähnlichen Charakter. Sehr schmal, zwischen 2 und 4 Meter breit und fließen ziemlich schnell zu Tale. Hier ist Indianerfischen angesagt, schnelle präzise Würfe und volle Konzentration. Im diesem schnellfließenden Gewässer ist es nicht leicht, die Fliege oder Nymphe fängig zu präsentieren. Sofern nicht zuviel Schneewasser mitgeführt wird bieten diese zwei Bergbäche aber eine interessante und vor allem anspruchsvolle Fischerei mit der Fliege. Die Insekten sind hier oben relativ klein und auch von den Forellen darf man nicht zuviel erwarten. Trotzdem habe ich im Sertigbach letztes Jahr 2 Forellen von ca. 32 cm gefangen. Eine davon wohlgemerkt mit der Trockenfliege. Entsprechend den Insekten sollte dann auch die Fliegenwahl erfolgen. Kleine braune und grüne Nymphen gehen meisten sehr gut. Bei den Trockenfliegen habe ich die beste Erfahrung mit gut sichtbaren Rehhaarfliegen gemacht (z.B. RF-Rehhaar Größe 14 – 18.) Wobei in den Abendstunden die Fliegen durchaus auch größer sein dürfen. Mehr zu fängigen Fliegen erfahren Sie am Schluss dieses Beitrages.

 
Bildserie 1
 
Verlässt man Davos Richtung Thusis / Tiefencastel kreuzt man ein paar mal die Landwasser, die dann bei Filisur in die Albula mündet. Tiefencastel ist dann auch unser nächstes Ziel.
Ganz so früh konnte ich Davos am Sonntag nicht verlassen. Mein Junior spürte noch die folgen vom letzten Abend. War er auch erst um Mitternacht in die Federn gekrochen. Aber nach einem üppigen Morgenessen sah die Welt dann doch ein bisschen besser aus und wir machten uns auf den Weg nach Tiefencastel. Einfahrt Tiefencastel biegt man links ein und fährt am EW vorbei bis die Strasse aufhört. Die Albula ist an diese Stelle ideal um mit der Fliege auf die scheuen Bachforellen jagt zu machen. Vielversprechend sah die Albula aus. Idealer Wasserstand und Schnapsklar.
 
Bildserie 2
 
Gute Deckung und Stromaufwärtsfischen war angesagt. Bereits nach zwei Würfen den ersten Biss. Doch der Fisch stellte sich geschickter an als der Fischer und konnte darum wieder in seine verdiente Freiheit entkommen. Auch hier soll der Fisch seine Chance haben und Sie auch nutzen wenn sich die Gelegenheit bietet. Ohne Widerhaken zu Fischen ist sowieso in ganz Graubünden ein muss. Nichts desto trotz, die Motivation war nun noch größer als vorher. Also weiter Stromauf, schöne Läufe, Wasserkehren und tiefe Gumpen folgten. Ein Traumfluss, weitere Bisse folgten und auch einige Untermassige wurden wieder schonend in die Freiheit entlassen. Von der Holzbrücke ca. 400m Stromauf fließt die Albula auf einer Strecke von 20m entlang einer Felswand. Eine Bilderbuchstelle, hier musste ich mein Glück versuchen.
 
 

Von der Felskante präsentierte ich meine grüne Goldkopfnymphe stromaufwärts. Plötzlich ein kleiner Ruck am Bissanzeiger, anhieb. Der Fisch sprang aus dem Wasser und machte einige Kapriolen in der Luft, tauchte wieder ein und schwamm direkt auf mich zu. Wie schon oft war ich wieder einmal nicht auf diese Situation gefasst, Schnur locker und Fisch weg !
Nach diesem Versuch beschloss ich eine Trockenfliege zu montieren obwohl keine steigenden Fische auszumachen waren. Eine schwarze CDC-Fliege mit grau-brauner Hechel und helle Flügel. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warte, der erste Biss bereits nach dem 5. Wurf. Eine schöne Bachforelle von ca. 23cm nahm die schwarze CDC. Ich verlängerte noch weiter die Schnur und präsentierte meine Fliege ein Stück weiter aufwärts am Anfang der Felswand. Heftig schnappte eine Forelle nach der Fliege, diesmal war ich konzentrierter und lies mich nicht von der Forelle überrumpeln. Ein spannender Drill folgte, auch diese Forelle schoss drei, vier mal aus dem Wasser und versuchte den Hacken loszuwerden. Am Ende blieb ich dann trotzdem Sieger und konnte die herrliche Bachforelle landen.

 
 

Leider war auch dieser Morgen viel zu schnell vorbei. Mein Sohn Nicolas hatte den ganzen Vormittag am Wasser geduldig ausgeharrt. Was für einen achtjährigen Jungen sicher nicht selbstverständlich ist. Nach einer kleinen Erfrischung machten wir uns dann wieder auf den Weg nach Kloten. Eines wusste ich bestimmt, hierher werde ich schon bald wieder zurückkommen.

 
Informationen
Fängige Fliegen für Graubünden
 

Bildserie 3

 
Adressen:
Allgemeine Informationen:

Jagd- und Fischereiinspektorat
Loëstrasse 14
7001 Chur
Telefon 081 257 38 92
Fax 081 257 21 89
E-Mail: info@jfi.gr.ch

 

Kartenausgabestellen:

Jagd- und Fischereiinspektorat
Loëstrasse 14
7001 Chur
Telefon 081 257 38 92
Fax 081 257 21 89
E-Mail: info@jfi.gr.ch

 

 

Deplazes Lucas, Hauptfischereiaufseher
Casa de peschs cantunala
7166 Trun
Tel. 081 943 16 18

 

 
Falk Alois
Fischereiartikel
Ringstr. 116
7000 Chur/GR
auch Fax 081 284 54 77