Alt St. Johann 2000
 

Schweizer Saisonausklang in Alt St. Johann
 
Reisebericht von Josef W. Murer (Text), Bilder von J. Wetten und R. Föllmi

Als am 19.9.2000 der große Regen kam und in den TV-Nachrichten von der über die Ufer strömenden Thur die Rede war, da hat mein FF-Herz ein wenig geblutet. Trotz den erfreulichen Aussichten, dass es am Samstag wieder besser werden soll, habe ich gedacht: „there goes our flyfishing weekend down the Thur“.Am Freitag Vormittag habe ich die Vorhut gebildet und bin so gegen 11:30 Uhr im Hotel Schweizerhof bei Anna und Walter Schlumpf im herbstlichen Alt St. Johann eingetroffen.
 
Auskünfte, Fischerkarten, Reservationen etc. http://www.hotelschweizerhof.ch
 
Schon kurz nach der Autobahnausfahrt in Will habe ich die mit Puderzucker überzogenen Gipfel der Churfirsten gesehen – Winter im Toggenburg? Als ich die Thur zum ersten Mal gesehen habe war sie braun und schmutzig aber wenigstens wieder in ihrem Flussbett. Je näher ich unserem Ziel dem Obertoggenburg kam umso „heller“ wurde der Fluss und auch die grauen Wolken ließen die Sonne einige Male durchblicken.
 
Bildserie 1
 
Das Wasser war nur noch leicht trüb, aber rund 30-40 cm höher als normal. An der Uferböschung konnte man noch die Spuren der „Überflutung“ sehen.15 Minuten nach dem Zimmerbezug stand ich bereits am Wasser und hatte die bewährten Nymphenmuster (ja - ich fische mit Springer) der „Wetten-Nymphe“ und der „SHP Nymphe“ am Vorfach. Kaum eingetaucht schlug der „Strikeputty“ heftig aus und eine schöne Bachforelle hatte die Wettennymphe genommen.
 
Bindeanleitungen in der Fliegengalerie
 
Links und Rechts vom Kanal (die Thur führt direkt durch Alt St. Johann) bis hinauf zur Talstation der Alt St. Johann - Sellamat - Sesselbahn hatte ich eine äusserst erfolgreiche Fischerei – und das nach diesem Hochwasser!
 
Bildserie 2
 
Am späteren Nachmittag habe ich’s dann noch beim Steinbruch (Starkenbach) versucht und auch da konnte ich mit dem „Mini-Muddler“ von René Föllmi zwei sehr schöne Bachforellen überlisten
 
Bindeanleitungen in der Fliegengalerie
 
Die Zeit verging im Fluge und schon waren der ganze Rest unserer Fliegenfischer/-binde-Gilde im Hotel eingetroffen. Ausgenommen unser „Pechvogel“ Peter, er kam etwas später – nicht nur ist ihm die Weste abhanden gekommen – nein, zu allem Unglück hat auch sein Wagen auf dem Weg ins „Toggi“ den Geist (sprich: Kühlerschlauch) aufgegeben - Peter kennt jetzt die TCS-Dienstleistungen aus erster Hand!
Walter Schlupf begrüßte uns mit einem feinen „Weissen“ sowie Käse und Hobelfleisch. Kurz darauf haben wir zum ersten Mal an diesem Wochenende die ausgezeichnete Küche des „Schweizerhofs“ genossen – René konnte zum Abschluss den Aromen der Glacekarte nicht wiederstehen und hat von jedem eine Kugel ausprobiert.
Im ersten Stock hatten wir einen richtigen „Binde-Saal“ zur Verfügung und schon bald waren alle damit beschäftigt die „Toggenburg-Sepzial-Nymphen“ zu binden.
 
Bildserie 2
 
Einige Nimmermüde hatten vom Binden bis Mitternacht nicht genug und haben sich anschliessend noch die Berichterstattung der Olympischen Spiele aus Sydney „iinezogge“.
Am nächsten Morgen haben wir uns über die ganze Fischer-Strecke (über 10 km) der Thur verteilt und unserem Hobby gefrönt. Vom Hochwasser war keine Spur mehr und die Thur war klar und rein. Keiner – unser Pechvogel Peter ist die Ausnahme – musste unverrichteter Dinge vom Wasser zurückkommen. Jede und jeder hatte seine Erfolgsmomente.
 
Bildserie 3
 
Auf der kleinen Thur-Insel unterhalb Stein/SG brutzelten dann zur Mittagszeit die Würste und männiglich (Tschuldigung Monika) erzählte von seinen „Heldentaten“ am Wasser.
 
Bildserie 4
 
Am Nachmittag ging’s mit frischem Elan zurück ans Wasser wo wir noch einige Stunden mit interessanter Fischerei verbrachten. Es ist erfreulich, dass es nicht nur „mässige“ Forellen in der Thur hat sondern auch Farios in allen „Altersklassen“.
 
Bildserie 5
 
Müde aber zufrieden speisten wir am Abend in der gemütlichen Gaststube des Schweizerhofs und freuten uns auf den von René angekündigten Video seiner Russlandreise (Chapeau! – Erst eine Woche zurück und schon ist ein geschnittenes, vertontes – und was für Musik - Video der RF Videoproduktion verfügbar). Eindrückliche Bilder nicht nur von der Fischerei sondern auch die ganze Reise und das Drum und Dran dieses Abenteuer-Trips. Bravo René! (Reiseberichte) Auf Silberlachs in Ost - Sibirien

Beim anschließenden Binden war sicher die eine oder andere (Monika - hier die weibliche Form!) mit ihren Gedanken in Russland und hat den einen oder anderen kapitalen Lachs gelandet. Die Olympia-Nacht forderte ihren Tribut – heute Abend gingen einige etwas früher zu Bett. Fischen, Binden und Olympiade gehen zwar gut zusammen aber jedes zu seiner Zeit.
Der Sonntag versprach nochmals eine gute Fischerei, das Wasser war nochmals etwas zurückgegangen und der eine oder andere versuchte es nun mit der Trockenfliege. Dabei konnte das Obertoggenburger - Rindvieh natürlich nicht zur zusehen sondern hat spontan dem Felix „unter die Fliege“ gegriffen.
 
 
Bei solcher Unterstützung kann es eigentlich nur gut gehen – andererseits ob die Fische das liebe Vieh vom Fliegenfischer unterscheiden wage ich zu bezweifeln – die Farios werden sicherheitshalber Deckung nehmen
Noch einmal trafen wir uns auf der kleinen Thur - Insel zu zwei brüderlich & schwesterlich geteilten Servelats, das letzte Brot wurde geteilt und die letzten Nussstängel verspießen. Die Nimmermüden (der Autor gehört dazu) haben anschließend nochmals einige Getupfte in Stein unter den Steinen hervorgelockt bevor auch sie – wie die anderen zuvor – den Weg zurück ins Unterland unter die Räder nahmen.

Zufrieden und glücklich kehrten wir nach zwei (drei) wunderschönen Fischertagen in den Alltag zurück. Wir werden ganz sicher nächste Saison wieder ins schöne Obertoggenburg zum Fischen fahren. An dieser Stelle noch besten Dank an die Gastgeber Anna und Walter Schlumpf vom Hotel Schweizerhof. Wir haben uns rundherum zufrieden und bestens aufgehoben gefühlt und können Haus, Küche und Fischwasser nur bestens weiterempfehlen.


Josef W. Murer 25. September 2000