Friedfische 2003
 

Friedfische 1
 
Zusammengestellt von R. Föllmi
 
Nach diesem abnormal heißen Sommer sind in unseren Fliessgewässern die Wassertemperaturen so angestiegen, dass die meisten Äschen zu Grunde gegangen sind. Viele Fliegenfischerstrecken werden deshalb auf Jahre geschlossen. Aus diesem Grund habe ich mir vorgenommen vermehrt mit dem Bellyboat und der Fliegenrute in den Seen den Karpfen Brachsen etc. nachzustellen. Weil ich mich aber in den letzten Jahren hauptsächlich um Forellen, Äschen und Lachse gekümmert habe ist es auch für mich Neuland. Auf der Suche nach Informationen bin ich auf ein Buch gestoßen, dass sehr Informativ und mit vielen guten Tipps ausgestattet ist.  
 

Erschienen ist dieses Buch im:
Verlag Müller Rüschlikon
ISBN Nummer 3-275-01338-6

der Autor ist Hermann Klier. Mit der Erlaubnis des Autors werde ich in diesem Spezial auszugsweise seinen Text verwenden.


 
Karpfen:
Als Ausrüstung eignet sich eine 9 bis 10 Fuß (275 bis 305 Zentimeter) lange Einhandrute der Schnurklasse 7/8 in Kombination mit einer Rolle, die über eine gleichmäßig wirkende Bremse verfügt und neben der Fliegenschnur etwa 150 Meter Backing aufnimmt. Stehen die Karpfen knapp unter der Wasseroberfläche, sollten Sie ein konisch gezogenes, drei bis vier Meter langes Vorfach mit einer Spitze von etwa 0,20 Millimeter verwenden. Die heute im Handel angebotenen Karpfenvorfächer sind für diese Zwecke ebenfalls bestens geeignet. Damit es auch bei schweren Fischen im Anhieb nicht zum Spitzenbruch kommt, besitzen diese High Tech-Vorfächer einen Schockabsorber, der eine Dehnung des Vorfachs von etwa 20 Zentimeter er­möglicht und es somit schützt. Grundsätzlich ist die erfolgreiche Karp­fenpirsch ein Fischen auf Sicht mit der Nymphe. Meine bisherigen Fänge gingen nur selten auf das Konto eines Oberflächenköders wie einer Trockenfliege. Das Verhältnis liegt bei etwa 20 zu I. Suchen Sie schließlich ein entsprechen­des Karpfengewässer und erkunden es etwa ab März - anfangs ohne Rute. Am besten eignen sich die Monate Mai Juni und September. Es ist wichtig, dass die Unterwasserpflanzen noch nicht ganz ausgetrieben haben beziehungsweise schon wieder absterben. Die Fische müssen dann zwischen den einzelnen Bewuchsflächen schwimmen. Dadurch lassen sie sich leichter entdecken. Lernen Sie Ihr Gewässer kennen. Unternehmen Sie die Pirschgänge auch zu unterschiedlichen Tageszeiten. Konnten Sie ein Karpfenrudel entdecken, beobachten Sie unbedingt das Verhalten der Fische. Nicht zu jeder Zeit und vor allen Dingen nicht bei jedem Verhalten sind die Karpfen zu fangen. Hauptsächlich lassen sich Karpfen morgens an die Fliege locken, wobei die besten Fische etwa eine bis drei Stunden nach Sonnenaufgang beißen. Das hängt im Wesentlichen mit der Helligkeit zusammen. Denn Sie müssen sehen, was der Fisch macht. Nur dann können Sie einen Anhieb setzen. Und über 90 Prozent der Karpfenfänge mit der Fliege erfolgen auf Sicht. Sehr gute Fänge sind an trüben, eventuell mit leichtem Nieselregen gekoppelten Tagen möglich. Dann sind oft kleine Trupps von bis zu einem halben Dutzend Karpfen auf Futtersuche unterwegs. Meines Erachtens spielt für den Fangerfolg der Futterneid eine große Rolle. Nach dem Motto, wenn ich das nicht fresse, frisst es der Nachbar. Bestimmt entsteht somit für die Fische ein bestimmter Druck, weshalb sie das Angebot überraschend konsequent und schnell nehmen. Lassen sich große Schwärme die Sonne auf den Buckel scheinen und dösen knapp unter der Wasseroberfläche, können Sie keinen Fisch fangen. Zur Probe habe ich schon den Hakenbogen abgezwickt und den Köder über den Rücken der dösenden Karpfen gezogen. Das stört die Fische nicht, sie dösen weiter. Lösen sich aber am späten Nachmittag die Rudel auf und die einzelnen Fische wandern zu ihren Futterplätzen, bestehen schlagartig hervorragende Fangchancen. In dieser Phase konnte ich jedes Jahr außerdem einige gute Exemplare mit der Trockenen fangen. Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Gute Beißzeiten sind der Morgen, aber auch der späte Nachmittag beziehungsweise der frühe Abend. Ganztägig ist eine Karpfenpirsch nur bei bedecktem Himmel oder noch besser bei leichtem Nieselregen zu empfehlen. Jetzt komme ich zu den fängigsten Fliegenmustern für den Allesfresser Karpfen: Seine natürliche Futterpalette reicht von Tubifex bis zu Kleinfischfischen, weshalb viele Köder einen Biß versprechen. Generell entsprechen Karpfenfliegen den anderen Friedfischmustern: Rot und etwas größer und auf stärkere Haken gebunden. Am liebsten auf die für Bachflohkrebs-Muster gedachten Buckelhaken, da sie anscheinend besser fassen. Wichtig ist dabei jedoch eigentlich nur die weite Hakenöffnung.
 
So sehen die von Hermann Klier am häufigsten verwendeten Nymphen aus die das ganze Jahr über Erfolg bringen. Er bindet sie in unterschiedlichen Gewichtsklassen. ( Photo Hermann Klier )  
Für die Bindeanleitung, Nymphe anklicken
 
Einen hohen Anteil am Fangerfolg hat die Präsentation des Musters. Gelingt es nicht, den Köder bis auf etwa vierzig Zentimeter an den Kopf des Karpfens heranzubringen, reagiert der Fisch überhaupt nicht. Vermutlich nimmt er das Angebot einfach nicht wahr. Optimal und sehr erfolgreich ist das Anbieten der Nymphe leicht seitlich vom Kopf mit dem genannten Abstand von dreißig bis vierzig Zentimeter. Es scheint so, als nimmt der Karpfen in diesem Abstand den Köder sowohl optisch als auch über die Seitenlinie wahr. Sehr häufig nimmt er so ein Angebot sehr schnell an. Durch die seitliche Präsentation muss er außerdem eine Körperdrehung machen, will er den Köder aufnehmen. Dadurch ergibt sich ein günstiger Winkel für den einigermaßen sicheren Anhieb.
Schwimmt der Fisch direkt auf Sie zu, zieht der Fischer durch die gerade Linie Fisch-Fliegenschnur dem Fisch den Köder aus dem Maul, ohne dass der Haken fassen kann. Eine wesentlich bessere Ausbeute ergibt das seitliche Anwerfen des Fischs. Damit erreichen wir eine für uns gut sichtbare Reaktion und einen optimalen Winkel für den Anhieb. Bei der von mir bevorzugten Pirsch flussaufwärts ergibt sich die Position parallel zum Ufer fast automatisch . Denn in den meisten Fällen steht der Fisch mit dem Kopf gegen die Strömung, wodurch sich zwischen der Längsachse des Fisches und der Fliegenschnur ein Winkel von annähernd 90 Grad bildet. In stehenden Gewässern wird es etwas schwieriger. Hier müssen wir durch die Präsentation für einen günstigen Win­kel zwischen Fisch und Schnur sorgen. Noch eine Information aus der Praxis. Unterschiede im Beißverhalten zwischen Spiegel- und Schuppenkarpfen konnte ich bisher nicht feststellen. Der Schuppenkarpfen hat in den Süddeutschen Gewässern jedoch scheinbar einen früheren Saisonstart. Die ersten Karpfen des Jahres an der Fliege waren fast immer Schuppenkarpfen.
Soviel aus dem Buch von Hermann Klier in dem alles viel ausführlicher und mit vielen interessanten Details, die nur aus der Praxis stammen können, beschrieben ist.

Freundlicherweise hat er mir einige Bilder seiner diesjährigen Pirsch auf Cypriniden zur Verfügung gestellt.  
 
Bildserie 1
 
R.Föllmi September 2003