Belly Boat 2001
 

Ein Spezial zur Belly Boat - Fliegenfischerei
 
Zusammengestellt von R. Föllmi

Ein Belly Boat eröffnet dem Fliegenfischer völlig neue Jagdgründe. Sie können z.B. an Bergseen auf Forellen und Saiblinge angeln, ohne dass Ihnen der letzte Meter bis zu den steigenden Salmoniden ( wer kennt das nicht ) fehlt. Oder Sie machen in einem schilfbestandenen See Jagd auf Hechte oder Karpfen. Mit dem Belly Boat können Sie den Schilfgürtel perfekt abfischen, das störende Geäst der Büsche, die immer bei guten Fischstandplätzen an den Ufern zu finden sind, bringt Sie nicht mehr zur Weißglut, es ist eine ruhige, gemächliche und äußerst bequeme Fliegenfischerei angesagt.
   
 
Im Handel sind zwei verschiedene Belly Boat - Typen erhältlich: das klassische in O - form und das moderne U - förmige. Das klassische Belly Boat ist eigentlich nichts weiter als ein Lastwagenreifen, der mit solidem Nylon - Material überzogen ist. In der Mitte des Reifens befindet sich ein Sitz, in den Sie von oben einsteigen müssen. Die Schwimmflossen, die Sie unbedingt benötigen damit Sie sich im Wasser vorwärts bewegen können, müssen Sie vor dem Einsteigen anziehen. Nun zeigt sich der erste Nachteil des geschlossenen Ringes. Es ist ziemlich umständlich mit den Flossen durch die enge Beinöffnung des Sitzes einzusteigen. 
 
Bildserie 1
 
Beim paddeln stört vorne der dicke Wulst. Man stößt mit den Knien immer dagegen und das erweißt sich auf die Dauer als sehr mühsam. Ein weiterer Nachteil ist das kleine Ventil, dass wir vom Auto kennen. Die Luftmenge, die Sie durch diesen kleinen Ventildurchmesser mit einer Fußpumpe bringen, ist sehr gering. Ich brauchte etwa 20 Minuten um dieses Belly Boat zu pumpen. Im Fachhandel gibt es kleine Kompressoren, die man am Zigarrenanzünder anschließen kann, das erleichtert die Sache sehr. Wenn Ihr Fahrzeug groß genug ist, um das aufgeblasene Belly Boat zu transportieren, so können Sie es auch an einer Tankstelle aufpumpen.  
 
 
Bei den modernen U - förmigen Modellen gestaltet sich das Einsteigen sehr viel komfortabler. Sie lösen einfach die Stange die die beiden seitlichen Wulste verbindet und Sie können bequem von vorne einsteigen. Danach machen sie die Stange wieder fest und gehen rückwärts ins tiefere Wasser, hängen den Sitzgurt an der Stange ein und setzen sich. Beim Padeln werden Sie nicht von einem Wulst behindert. 
 
Bildserie 2
 
Auch das Aufpumpen dieses Gerätes ist viel einfacher. Das Rückschlagventil hat einen Durchmesser von ca. 2,5cm und mittels einer Doppelhub Camping - Pumpe brauche ich 2 Minuten und das Belly Boat ist startbereit. 
 
 
Ein sehr nützliches Zubehör ist ein kleiner Anker. Es gibt spezielle Belly Boat Schirmanker ca. 1,5 Kg schwer. Das Belly Boat ist sehr leicht und treibt mit dem Wind schnell ab. Ohne Anker müssen Sie dann immer wieder zurück an Ihre gute Stelle paddeln. Ebenso muss immer geeignetes Flickzeug dabei sein. Die Stoffüberzüge sind ziemlich robust aber es kann bei aller Vorsicht einmal passieren, dass man einen Haken ins Boot setzt. Nun nicht die Ruhe verlieren, schneiden Sie das Vorfach bei der Hakenöse ab, lassen Sie den Haken stecken, auf keinen Fall den Haken entfernen denn dadurch würde das Loch so groß ,dass die Luft schnell entweichen würde. Steckt hingegen der Haken drin, entweicht nur eine kleine Luftmenge und Sie haben genügend Zeit ans Ufer zu paddeln um das Loch zu flicken. In der Rücken- und Kopflehne sind nochmals zwei Luftkammern eingebaut die im schlimmsten Fall ein untergehen verhindern würden. Wenn Sie sehr ängstlich oder Nichtschwimmer sind, können Sie zur Sicherheit auch noch eine Schwimmweste anziehen. 
 
 
Um die Sache mit dem Belly Boat richtig zu testen begebe ich mich am Morgen früh um 0600 an einen kleinen See in dem es Karpfen und Hechte geben soll. Langsam wird es hell und eine wunderschöne Stimmung herrscht am See. Leichter Nebel liegt über dem Wasser, absolute Stille. Automatisch passe ich mich dieser Spätsommeridylle( 30. August ) an und paddle leise und bedächtig auf den See hinaus. Ein Eisvogel fliegt vorbei. Das Wasser ist sehr klar und um mich herum schwimmen viele kleine Fische. Für mich ist absolut erstaunlich, dass sich die Fische ohne die geringste Scheu direkt vor meinen Füssen tummeln, offenbar akzeptieren sie mich als Ihresgleichen. Ewas später nähern sich zwei Schuppenkarpfen bis etwa einen Meter an meine Seite, sie beäugen mich neugierig, ich schätze jeden auf etwa 3- 4Kg, dann umrunden sie mich ruhig und ohne die geringste Panik zweimal und ziehen weiter. Während den nächsten drei Stunden besuchen mich die beiden noch einige Male. Ich paddle in eine kleine, mit Schilf umsäumte Bucht um auf Hechte zu fischen. Nachdem ich ein Hechtstreamer montiert habe mache ich einige Würfe zum Schilf und strippe langsam ein. Ich sitze so bequem wie in einem Fernsehsessel, habe auch genügend Ellenbogenfreiheit um zu werfen mit einem Wort der absolute Hit !! In einer Pause ( beinahe wäre ich eingeschlafen ) beobachte ich das Wasser und sehe plötzlich wie sich etwas, das wie ein Stück Holz ausschaut auf mich zu schwimmt. Das Holz entpuppt sich beim Näherkommen als ein ca. 60cm Hecht. Etwa einen halben Meter rechts von mir bleibt er stehen und mustert mich für einige Augenblicke neugierig. Vorsichtig hebe ich die Kamera um ein Bild zu schießen , zu spät, gemächlich zieht er in Richtung Schilf davon. Ich werfe meinen Hechtstreamer hintennach und strippe Ihn zurück, nichts. Ein zweiter Versuch. Diesmal hebe und senke ich nur die Rutenspitze und spiele so mit dem Streamer. Beim dritten oder vierten Mal heben erfolgt ein heftiger Biss und die Post geht ab. Das Belly Boat erweist sich im Drill als absolut perfekt, denn wenn der Hecht nach links oder rechts ausschert dreht sich das leichte Gefährt sofort mit, sodass ich immer hinter dem Hecht arbeiten kann. Er liefert einen guten, heftigen Kampf, die Fliege sitzt aber sehr gut, sodass ich als Sieger feststehe. Ich löse den Streamer sorgfältig mit einer Zange, schieße noch einige Photos und setze Ihn in sein Element zurück. 
 
Bildserie 3
Bindeanleitungen für fängige Hechtstreamer sehen Sie in der Fliegengalerie !  
 
Für mich ist ganz klar: In Zukunft wird in meinem Fischergepäck immer ein Belly Boat dabei sein. Wenn Sie die Sache mal probieren möchten ohne gleich eins zu kaufen, so wenden Sie sich an mich. Ich begleite sie oder ich vermiete Ihnen ein Belly Boat. 
 
René Föllmi August 2001